Die Zivilisation ist nur eine dünne Schicht Lack. Darunter warten der Beton, der Trieb und der Dreck. In Uwe Hofers neuem Roman ZEITBREI blättert dieser Lack ab.
Der namenlose Protagonist entscheidet sich gegen das Mitmachen. Er steigt aus dem Hamsterrad nicht aus, um Yoga zu machen oder sich selbst zu finden - er steigt aus, um zu verschwinden. Seine Drei-Zimmer-Wohnung in der Vorstadt wird zum Schauplatz einer bizarren Metamorphose. Während sich auf dem Flurboden die Mahnbescheide stapeln und zu Papierfliegern gefaltet werden, entdeckt er eine neue Weltordnung.
Wochentage verlieren ihre Bedeutung. Geld wird zu buntem Papier. Körperpflege ist eine Lüge. Er wird zum Nachtwesen, das auf dem Teppich schläft und die Rhythmen der Straße studiert. Er führt einen Krieg gegen die Norm, bewaffnet mit Wodka und Gleichgültigkeit.
ZEITBREI ist eine mikroskopische Studie der Vereinsamung. Mit einer Sprache, die so scharf ist wie eine Scherbe und so hypnotisch wie das Summen eines sterbenden Kühlschranks, zieht Hofer den Leser in den Abgrund.
Wir sehen dabei zu, wie ein Mensch seine Hülle ablegt. Wir riechen den Mief der Verwahrlosung. Wir spüren die Kälte, wenn der Strom ausfällt. Und wir erleben den paradoxen Triumph eines Mannes, der alles verliert und dabei eine monströse, unantastbare Würde gewinnt.
Dies ist kein Buch für schwache Nerven. Es ist Literatur für alle, die wissen wollen, was passiert, wenn das Schweigen in der Wohnung lauter wird als der Lärm der Welt.
Ein radikales Kammerspiel des Ekels und der existenziellen Wucht.